Das KZ Sachsenhausen ist heute eine Gedenkstätte

 

Antisemitismus in Deutschland

Wie konnte es überhaupt zum Holocaust kommen?

 

War das ehemalige Großdeutsche Reich ein Hort von Antisemiten? Waren die Deutschen der 1930er Jahre besonders schlimme Judenhasser?
Nicht nur im Ausland, auch im Inland werden die meisten Menschen diese beide Fragen eindeutig bejahen. Dennoch ist die Antwort falsch und spiegelt die tatsächlichen Gegebenheiten der damaligen Zeit in keiner Weise wieder.

Denn, so merkwürdig es auch heute klingen mag, die Judenverachtung bei den Deutschen war damals seltener und schwächer ausgeprägt als in vielen anderen europäischen Staaten.
Die in weiten Teilen der Bevölkerung anzutreffende freundliche oder doch zumindest neutrale Haltung gegenüber den Juden beruht auf geschichtlichen Wurzeln: Zum einen hatten sich die Juden im Verlauf der Jahrhunderte bestens integriert (sie fühlten sich als Deutsche), zum anderen leisteten Juden einen beachtlichen Anteil am wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau des Landes.

Juden in Kunst und Wissenschaft wurden weltberühmt und förderten das deutsche Ansehen. Im Ersten Weltkrieg bewiesen Juden ihre Vaterlandsliebe und Zugehörigkeit zu Deutschland (unzählige Juden erhielten Tapferkeitsorden).
Außerdem darf man nicht verkennen, dass Juden in Deutschland nur eine kleine Minderheit von weniger als 1 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten und schon deshalb kaum als echte Bedrohung wahrgenommen werden konnten.

 

Aber wieso konnte das alles im Dritten Reich passieren?
Der deutsche Antisemitismus im Dritten Reich entwickelte sich nicht aus dem Volk heraus, er wurde von der Obrigkeit verordnet.

Bereits in den 1920er Jahren entwickelte sich in Europa, angestachelt von einigen Völkerkundlern, eine Vorliebe zur Rassenlehre, die schon bald in einen Rassenwahn ausartete. Hitler ist auf diesen Zug aufgesprungen und hat dankbar die ehrabschneidenden Vorurteile gegenüber anderen Völkern aufgegriffen, verinnerlicht und zur Staatsreligion erhoben.
In diesem Aufguss wurden Juden als gefährliche Schmarotzer dargestellt, die nur darauf aus sind, die Menschheit auszubeuten und zu vernichten.

Ich vermute, dass Adolf Hitler tatsächlich selbst an die absurde Judengefahr glaubte und seine Judenverachtung "seinem" Volk nicht einmal vorspielte. Er hatte sich in diese These regelrecht verrannt und als charismatischer uneingeschränkter Diktator leider die Macht, die Irrlehre dem ganzen Volk aufzuzwingen.

Dabei ist erstaunlich, wie wenig doch seine infame Hetze bei der breiten Masse Wirkung zeigte. Obwohl es keine freie Presse gab und die Zeitungen demzufolge nur Schauergeschichten über die "bösen" Juden verbreiteten, obwohl per Volksempfänger und Kinofilm eine wahre Gehirnwäsche bezüglich des Judentums entfacht wurde, sind die meisten Volksgenossen in diesem Punkt "ihrem" Führer nicht gefolgt.

 

Warum hatte die antisemitische Hetzpropaganda so wenig Erfolg?
Warum aber konnte die tägliche Hetze gegen die Juden nur bei eher primitiven Gemütern verfangen? Das liegt wohl vor allem daran, dass die erwachsenen Deutschen im Laufe ihres Lebens genügend eigene Erfahrungen mit den Juden gesammelt hatten. Und diese persönlichen Eindrücke zählten mehr als die einseitige Hetzpropaganda.

Die meisten Deutschen haben die wachsende Diskriminierung und Verfolgung der Juden deshalb mit Scham und Mitleid verfolgt. Die junge Generation wird an dieser Stelle einhaken wollen und sich fragen, warum denn diese rechtschaffenen Deutschen sich das alles haben bieten lassen.
Die banale Antwort lautet: Der Mensch ist von Natur aus feige. Das ist heute so und galt in der damaligen Gewaltdiktatur erst recht. Zu Hitlers Zeiten war jede Art von Protest lebensgefährlich. Wer sich beschwerte, wer nicht spurte, der wanderte selbst zu Friedenszeiten unversehens im KZ.

Die Oma meiner Frau zum Beispiel hat sich 1940 bei der Kommandantur für einen befreundeten Juden eingesetzt, der Tags zuvor von der Nazischergen abgeführt wurde (obwohl er sich nichts zuschulden hatte kommen lassen).
Die Gestapo drohte, sie ins KZ einzuweisen, wenn sie nicht unverzüglich Ruhe gebe. Noch am gleichen Tag verstarb der Jude. Er wurde während des Verhörs einfach totgeprügelt.

 

Aber warum gab es denn überhaupt diesen Judenhass?
Was heute selten von der jüngeren Generation nachvollzogen wird: Viele Juden gehörten in Deutschland bis zur Machtergreifung der Nazis zur Oberschicht bzw. zur Elite. In Berlin waren ca. 80 Prozent der Rechtsanwälte Juden, nicht weniger beeindruckend war die jüdische Präsenz in der Kultur, Bildung und Forschung und vor allem im Geschäftsleben.

Den Juden ging es im Durchschnitt also wesentlich besser als den Normalbürgern (den Christen), was nun einmal grundsätzlich Neid und Missgunst hervorruft.
Diese Neidgesellschaft findet sich auch heute noch, obwohl das Massenelend in der Weltwirtschaftskrise ab 1929 ganz andere Dimensionen erreichte.

Man muss sich das einmal bildlich vorstellen: Auf der einen Seite die Reichen und Wohlhabenden, die auch in Krisenzeiten ihren luxuriösen Lebensstil beibehalten konnten - auf der anderen Seite mindestens ein Viertel der Bevölkerung, das regelrecht hungerte (abmagerte), in Elendsquartieren hauste, keine Arbeit fand und kaum Sozialhilfe erhielt.

In dieser scheinbar ausweglosen Lage ist es der Nazi-Propaganda teilweise gelungen, die Schuld für die Missstände den Juden bzw. dem "Weltjudentum" anzuhängen.
Die sozialistischen Nazis scheuten den allgemeinen Klassenkampf gegen die Oberklasse - sie pickten sich geschickt die Juden als Sündenböcke heraus und ließen die anderen Vermögenden und Krisengewinnler unbehelligt (weil man deren Unterstützung brauchte).

Mir scheint es durchaus verständlich und nachvollziehbar, dass unter diesen Umständen ein Drittel der Bevölkerung auf Adolf Hitler und ein Teil davon auch auf seine Judenpropaganda hereinfiel. Sicher war nicht jeder Nazi auch gleich ein Antisemit, aber bei den auf unbedingten Gehorsam gedrillten Nazis verfing die Greuelpropaganda noch am ehesten.

 

Wie kamen die Juden zu ihrem Reichtum?
War die jüdische Rasse anderen Völkern überlegen, war sie intelligenter oder fleißiger? Ich selbst glaube an derlei genetisch bedingte Unterschiede nicht, ich betrachte den Vorsprung mehr als Folge einer frühgeschichtlichen Entwicklung.
Den Juden blieben durch das christliche Dogma des Mittelalters Handwerksberufe verwehrt, sie wurden in eine Sonderrolle gedrängt und fanden oft eine Existenzgrundlage im Handel und in Geldgeschäften (die den Christen untersagt waren).

Aus diesem Zwang heraus entwickelte sich eine frühe Geschäftstüchtigkeit, ein höherer Wohlstand und daraus wiederum eine bessere Bildung.
Wenn man so will, setzte der Zivilisationsprozess bei den Juden viel früher ein, außerdem gab es untereinander oft ein nützliches Zusammengehörigkeitsgefühl (die verfolgten Juden unterstützten sich gegenseitig, bildeten eine Art globales Netzwerk). Deshalb schwafelte Hitler auch immer vom internationalen Finanzjudentum und Weltjudentum (was es so aber gar nicht gab).

 

Hitlers Triumph: "Wir brauchen die Juden nicht!"
Das Naziregime war mächtig stolz darauf, dass man auch ohne jüdische Eliten auskam. Nachdem man die Juden aus allen wichtigen Ämtern entfernt hatte, brach das Staatsgefüge trotz aller Unkenrufe nicht zusammen.

Würde man heute einen Großteil der Eliten aus den Ämtern jagen, wäre ein Desaster vorprogrammiert. Dass damals der Wandel so glatt über die Bühne ging hing mit der schlummernden Intelligenz im einfachen Bürgertum zusammen, der ein höherer Schulabschluss allein aus finanziellen Gründen versagt blieb. Diese ungenutzten Talente brauchten nur noch vom Staat geborgen (gefördert) werden.
Heute findet sich diese brach liegende Intelligenz nur selten, weil die Chancengleichheit bei der Bildung recht gut funktioniert.

 

Plante Hitler von Anfang an den Holocaust?
Viele Historiker sind sich einig darüber, dass Adolf Hitler die systematische Judenvernichtung von Anfang an (seit 1923) geplant hatte. Sie orientieren sich bei dieser Einschätzung an der Erstausgabe der hitlerischen Streitschrift "Mein Kampf".
Ich hatte leider bislang keine Möglichkeit, diese Texte zu prüfen (das Buch ist in Deutschland verboten). Die mir vorliegenden Zitate (auf die sich Historiker berufen), halte ich aber für wenig überzeugend. Das liest sich doch alles sehr schwammig und unkonkret.

Hitler wäre auch schön blöd gewesen, sich von Anfang an als potentieller Massenmörder zu outen. Mir scheint: Es werden im Nachhinein (in Kenntnis der späteren Ereignisse) Hitlers Absichten in seine frühen Texte hineininterpretiert, die dort einfach nicht stehen. Auf diese Weise wird den Deutschen die Schuld für den Holocaust und den 2. Weltkrieg untergeschoben ("sie haben es alle gewusst").

Tatsache ist: Noch im 3. Kriegsjahr (1941) verfolgte das Naziregime Pläne, die Juden ins Ausland abzuschieben oder nach Osteuropa oder Madagaskar zu vertreiben (also nicht zu vernichten). Erst 1942 entschloss sich Hitler zur "Endlösung" (Wannsee-Konferenz), gewissermaßen aus Rache für die zunehmenden deutschen Todesopfer an der Front und unter der Zivilbevölkerung (gezielte Massenbombardierung der Wohngebiete). Sinngemäß erklärte Hitler: "Wenn das internationale Finanzjudentum das deutsche Volk vernichten will, so wird letztlich nicht das deutsche Volk, sondern das Judentum vernichtet werden."

Die Schaltzentrale des internationalen Finanzjudentums sah Hitler vermutlich in Washington und in den USA (die kriegsentscheidende Einmischung der Vereinigten Staaten in den europäischen Machtkampf). Auch privat vertrat Hitler diese Ansicht (falls es tatsächlich jemand wagte, den "Führer" auf die Judenproblematik anzusprechen).

 


Nachtrag 23. Januar 2018:

Wie konnte es zum Holocaust kommen, wie konnte es geschehen, dass 5,7 Millionen Juden drangsaliert und ermordet wurden?
Mich quält diese Frage zeitlebens. Immer wieder habe ich versucht, mich in die Situation der damaligen Zeit hineinzudenken. Was hätte ich getan, wenn ich als Soldat den Befehl bekommen hätte, Zivilisten zu erschiessen oder wenn ich als Wächter oder Büroangestellter in ein KZ beordert worden wäre? Hätte ich den Mumm aufgebracht, Anordnungen zu verweigern? Als Soldat wäre ich dann vermutlich zu einem Strafbatallion oder einem Himmelfahrtskommando abkommandiert worden. Wenn ich im KZ den Dienst verweigert hätte, wäre ich wahrscheinlich an die vorderste russische Kriegsfront versetzt worden. Ich fürchte, auch ich wäre ein Feigling gewesen. Auch mir wäre mein eigenes Wohlergehen (Leben) wichtiger gewesen als das der anderen.

Ebensooft habe ich darüber sinniert, wie es mir wohl als Jude ergangen wäre. Wie hätte ich die seit 1933 einsetzenden Anfeindungen, Berufsverbote, Entrechtungen ertragen? Das ewige Bangen, was da noch alles auf einen zukommen mag, wann man mich und meine Familie aus der Wohnung holt, wohin man uns verfrachten wird und ob man das alles überstehen wird. Immer in der vagen Hoffnung, Hitler könne schon bald besiegt oder gestürzt werden und der Spuk ein Ende haben. Natürlich auch in der Hoffnung auf Gottes Beistand.

All diese Gedanken verfolgen mich nun fast schon ein ganzes Leben. Nahezu alles, was im Fernsehen über die NS-Zeit gesendet wurde, habe ich mir angeschaut.
Verdammt noch mal, warum musste gerade in Deutschland so etwas Alptraumartiges passieren! Die Deutschen waren doch ein zivilisiertes Volk! Sie waren keine bösen Menschen, sie waren keineswegs schlechter als andere. Warum musste das irre Genie Hitler gerade hier aufkreuzen? Wie deprimierend ist es eingestehen zu müssen, dass in einer perfekt organisierten Schreckensdiktatur auch der perverseste Führerbefehl ausgeführt wird!

Wenn die Nachkommen der Hitlergeneration oder andere Völker heute naseweis urteilen, "uns wäre das nicht passiert, wir hätten uns das alles nicht gefallen lassen", so machen sie sich meines Erachtens selbst etwas vor oder sie können sich einfach nicht in die damalige Lage hineinversetzen. Denn damals war die öffentliche Meinungsbildung im weit stärkeren Maße manipulierbar. Die Presse war gleichgeschaltet, es gab nur einen Propaganda verbreitenden Staatsrundfunk, es gab die ständige Angst vor der Gestapo - das globale Internet, Smartphones und soziale Medien waren noch lange nicht erfunden.
Wenn man aus dem Holocaust wirklich etwas lernen will, sollte man sich hüten, gedankenlos eine Neuauflage der Volksverhetzung zu betreiben (der schäbige Charakter der Deutschen habe den Holocaust ermöglicht, "der Tod sei ein Meister aus Deutschland"). Man sollte vielmehr wachsam und gewappnet sein und eingestehen, dass eine derartige Tragödie sich überall und jederzeit wiederholen kann. Denn die Diktatur als solche ist noch lange nicht ausgestorben, sie wird es ewig geben.
Was die aktuelle Lage betrifft: Es ist schon traurig mit ansehen zu müssen, wie durch muslimische Flüchtlinge (längst nicht alle von ihnen sind den Juden wohlgesonnen) der überwunden geglaubte Antisemitismus in Deutschland wieder aufkeimt.

 

Haben die Israelis selbst Schuld am heutigen Antisemitismus?
Woher rührt der oft abgrundtiefe Hass gegen die Juden und gegen Israel in weiten Teilen der islamischen Gesellschaft? Wieso haben sich die Palästinenser nach 70 Jahren noch immer nicht mit der Abtretung einiger Gebiete abgefunden? Deutschland hat nach dem 2. Weltkrieg weit größere Gebietsverluste hinnehmen müssen.
Was viele Muslime wohl nicht verknusen können ist der verhältnismäßig hohe Wohlstand in Israel. Und die übergriffige Siedlungspolitik der Israelis, die harten Vergeltungsmaßnahmen nach Terroranschlägen, die verlorenen Kriege der Anrainerstaaten. Das alles schürt Vorbehalte und Hass, und so manche Kritik gegen Israel ist sicher auch berechtigt.

Viele Außenstehende können sich aber wenig in die prekäre Lage Israels hineinversetzen. Umzingelt von Feinden, die die völlige Vernichtung Israels anstreben - das kann schon mächtig nervös machen. Das Problem ist auch, dass Israel ein sehr kleines Land ist. Zwei oder drei Atombomben würden ausreichen, um alles Leben dort auszulöschen. Wenn man sich dessen bewusst wird, versteht man vielleicht, in welch schwieriger Lage Israel sich täglich behaupten muss. Naseweise Vorschläge und Belehrungen vom sicheren Hort aus sind da oftmals unangebracht oder überflüssig.


Nachtrag 29. 1. 2018
Gestern bei Anne Will
Anläßlich des jährlichen Holocaust-Gedenktages wurde gestern abend im 1. Programm über den Antisemitismus und den Holocaust debattiert.
Unter anderem schilderte eine 93jährige Zeitzeugin, wie sie den Holocaust überlebt hatte (im Gegensatz zu ihrer übrigen Familie). Ihre Familie wohnte in der Nazizeit in Saarlouis und hatte von Auschwitz nie etwas gehört. Man ahnte nicht einmal, dass es Vernichtungslager gab. Die KZ galten auch in jüdischen Kreisen als Arbeitslager. Die Mutter der überlebenden Seniorin hatte Angst vor den Nazis und wollte mit ihrer Familie rechtzeitig fliehen, der Vater sah dafür aber keine Veranlassung und hoffte bis zuletzt auf einen Sturz Hitlers.
Ich schreibe dies nur, weil auch heute noch immer behauptet wird, "die Deutschen" hätten vom Holocaust gewusst oder ihn gar befürwortet.

Was mir in der Sendung noch auffiel: Es wurde krampfhaft versucht, die Hauptursachen für den derzeitigen Anstieg antisemitischer Übergriffe (die hohe Zuwanderung aus islamischen Kulturkreisen) kleinzureden. Dabei wurde vor einigen Monaten in einer aufschlussreichen Reportage des Spiegel genau dieser Zusammenhang hergestellt.

In der gestrigen Gesprächsrunde wurde der antisemitische Wandel in unserer Gesellschaft rechten Kreisen angelastet, wobei auch immer wieder die AfD ins Spiel gebracht wurde (wie konnte es auch anders sein, man braucht schließlich einen Sündenbock).
Was mich einigermaßen schockierte: Der Antisemitismus in Deutschland wurde nachgewiesen durch die Fangfrage, ob "die Juden" heute zu viel Einfluss in der Welt hätten. Dem haben 15 % der Befragten arglos zugestimmt (das sind also die neuen Antisemiten). Aber bei allem Respekt: Würde man Ost- und Südeuropäer fragen, ob "die Deutschen" zuviel Einfluss in der EU hätten, würden etwa 60 % dies bejahen. Dürfte man diesen Leuten nun allen eine Deutschfeindlichkeit unterstellen? Natürlich nicht.

Ich jedenfalls habe in meinem ganzen Leben nicht einen einzigen echten deutschen Antisemiten kennengelernt (ich hätte mich gerne mal mit einem solchen Menschen ausgetauscht). Ich halte es für eine Mär, dass der Antisemitismus in der deutschen Bevölkerung nennenswert verbreitet ist. Was die Grabschändungen betrifft, so gibt es die auf allen Friedhöfen, nicht nur auf den jüdischen. Und für manch geistig minderbemittelte Jugendliche scheint es eine besondere Heldentat zu sein, mit Hakenkreuzschmierereien ihren Mut zu beweisen bzw. sich gegen eine Gesellschaft aufzulehnen, die ihnen keine würdige Zukunft (keinen vernünftigen Arbeitsplatz) verspricht.


Nachtrag 12. Februar 2018:
Woher rührt der heutige deutsche Antisemitismus?
In Deutschland mit seinem ausufernden Sozialsystem gibt es leider auch Menschen, die sich eigens aufgrund der hohen staatlichen Unterstützungszahlungen Kinder anschaffen. Erwerbslose kassieren zum Beispiel allein an bargeldlichen Regelleistungen monatlich ca. 300,- Euro für ein sechsjährigen Kind (zuzüglich der vielen Sonderleistungen, der Kosten für die Warmmiete usw.).

Können Eltern die Angebote der Tafeln und Kleiderkammern nutzen, ergibt sich für sie nicht selten ein monatlicher "Überschuss" von 200 bis 250 Euro (pro Kind). Dieses Geld können sie für ihre eigenen Bedürfnisse verwenden (leider auch für Alkohol und Drogen).
In einem solch prekären Elternhaus erfahren die benachteiligten Kinder oft wenig Liebe, Zuneigung und Unterstützung. Entsprechend fallen dann auch ihre schulischen Leistungen aus. Was geschieht mit einem Kind, das in neun oder zehn Schuljahren nur gedemütigt wurde und nur Misserfolge verbuchen konnte? Bei dem auch im Anschluss sich keine beruflichen Perspektiven abzeichnen?

Wenn solche unreifen Herumgestoßenen (die ursprünglich aus dem extremen linken Milieu stammen), ihr Heil in einer Nazi-Bruderschaft suchen, muss man sich nicht unbedingt wundern. Erfahren sie doch dort vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben so etwas wie Akzeptanz und Kameradschaft. Und es wird ihnen eine Alternative zum jetzigen kapitalistischen "Unrechtssystem" vorgegaukelt.

Kann es sein, dass so manchen etablierten Medien und Parteien die Neonazis recht gelegen kommen? Weil sie damit die missliebige AfD diskreditieren können? Indem sie wahrheitswidrig die AfD immer wieder in die Nähe dieser verirrten Neonazis rücken?

Abschließend noch einige Zahlen: Im Jahr 2017 gab es in Deutschland viele Millionen Straftaten. 1453 davon wurden dem Antisemitismus zugeordnet. Dabei handelt es sich in 898 Fällen um eine Volksverhetzung, in 160 Fällen um eine Sachbeschädigung und in 32 Fällen um Gewalttaten.

 


PS: Warum tue ich mir das alles an? Warum schreibe ich über ein sensibles Tabuthema, beim dem man nichts gewinnen, aber sich sehr leicht den Mund verbrennen und in Ungnade fallen kann? Die Antwort ist einfach: Ich möchte nicht, dass die heutige Generation mit falschen Vorstellungen und Schuldkomplexen aufwächst!

Von vielerlei Seiten wird jungen Deutschen eingetrichtert, sie seien die Nachkommen von Mördern, Kriegsverbrechern, Feiglingen, Wegguckern, Rassisten und Antisemiten. Dieses dumme Pauschalurteil versuche ich mit diesem Text ein wenig geradezurücken. Trotz aller tragischen Ereignisse brauchen auch Deutsche sich nicht generell ihrer Herkunft und Abstammung zu schämen.

Es kann dennoch sein, dass ich in einem Absatz etwas Unüberlegtes geschrieben habe. Nobody is perfect! Deshalb bitte ich um Ihre Mithilfe. Sollte ihnen etwas bitter aufstoßen, teilen Sie es mir doch bitte per Email kurz mit (m.mueller@iworld.de). Vielleicht gelingt es mir, die entsprechende Textpassage dann zu verbessern oder zu ergänzen. Über positive Äußerungen bin ich aber auch nicht böse.

Ich danke für Ihr Verständnis!

Manfred Julius Müller

 

Hintergrund & Analyse:
Die Schuld der Deutschen am Holocaust und 2. Weltkrieg
Erinnerungskultur: Leidet die AfD unter einem Gedächtnisschwund?
Der Rassismus als Totschlagargument!
Wer sind die Ewiggestrigen?
Politisches Lexikon - Die etwas andere, alternative, nicht vom Kapital dominierte Informationsplattform!

 

© Manfred Müller, Flensburg
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Manfred Julius Müller analysiert seit über 30 Jahren weltwirtschaftliche Abläufe. Er ist Autor verschiedener Bücher zu den Themenkomplexen Globalisierung, Kapitalismus und Politik. Manche Texte von M. J. Müller fanden auch Einzug in Schulbücher oder werden zur Lehrerausbildung herangezogen.
Die Analysen & Texte von Manfred J. Müller sind überparteilich & unabhängig! Sie werden nicht, wie es leider sehr häufig der Fall ist, von staatlichen Institutionen, Global Playern, Konzernen, Verbänden, Parteien, Gewerkschaften, der EU- oder der Kapitallobby gesponsert!