Fortsetzung des Artikels "Die dreiste Proklamation des Fachkräftemangels!"

 

Nachtrag:
Der im Juni 2014 veröffentlichte neue Nationale Bildungsbericht bestätigt, dass der "Fachkräftemangel" weitgehend hausgemacht sei. In vielen Mangelberufen (Metall, Technik, Elektro, im Gesundheitswesen und der Pflege) fehle es ganz einfach an Ausbildungsplätzen - Lehrstellenbewerber gäbe es genug. Der von der Wirtschaft beklagte Nachwuchsmangel findet sich eigentlich nur in den Bereichen Ernährungshandwerk, Küche, Hotel- und Gaststättengewerbe.

Mein Fazit: Man kann es also drehen und wenden wie man will: Bei angemessener Bezahlung gäbe es auch keinen Fachkräftemangel! Zuwanderer werden nur gebraucht, um Tariflöhne zu unterwandern oder um unterbezahlte Berufe nicht auf das notwendige Niveau anheben zu müssen.
Diese Auffassung wurde auch seitens der ARD bestätigt durch eine 45minütige Fernsehdoku am 21. 7. 2014.

 

Wie entsteht ein Fachkräftemangel?
Ein Fachkräftemangel ist fast immer die Folge einer nicht mehr zeitgemäßen Entlohnung. Bei ihrer Berufswahl bevorzugen junge Leute verständlicherweise Berufe, die besonders attraktiv sind. Der Wunschberuf soll einem nicht zu viel Stress abverlangen, ein hohes gesellschaftliches Ansehen genießen, angenehme Arbeitszeiten und gute Aufstiegschancen bieten und natürlich bestmöglich entlohnt werden. In einer Zeit, wo jeder durchschnittlich begabte Mensch einen Abiturabschluss erlangen und studieren kann, sind die Ansprüche natürlich entsprechend hoch. Die meisten Handwerksberufe zum Beispiel erfordern ein fundiertes fachliches Wissen gepaart mit handwerklichem Geschick. Wer über derlei Begabungen verfügt, könnte auch so manche Studiengänge erfolgreich abschließen.
Wenn ich nun von manchen Chefs immer wieder höre, "wir zahlen aber gut und trotzdem kriegen wir keine Leute", so ist diese Einschätzung recht subjektiv. Denn würden die Tariflöhne in den Mangelberufen marktgerecht angehoben, gäbe es auch dort genügend Nachwuchskräfte. Der übliche Einwand, die höheren Löhne könne man sich nicht leisten, die seien einfach nicht drin, stimmt nicht. Denn die höheren Tariflöhne gelten schließlich für alle, auch für die Mitbewerber. Auch die Konkurrenz muss in den sauren Apfel beißen - sonst kriegt sie keine Leute mehr.
Abgewälzt werden höhere Lohnkosten letztlich auf die Kunden.
So funktioniert nun einmal eine gesunde Marktwirtschaft. Es wird deshalb kein Kunde seinen Heizungskessel, sein Dach oder seine Klimaanlage nicht mehr reparieren lassen. Der Kunde muss die Marktpreise akzeptierten oder er muss verzichten.
Vor gut 5 Jahren war man schließlich auch bereit, die dreifache Summe für einen Flachbildfernseher hinzulegen. Ergo: Der Kunde akzeptiert Marktpreise, weil ihm gar nichts anderes übrigbleibt (höchstens der Verzicht).

Ähnlich lässt sich auch der vermeintliche Fachkräftemangel in der Altenpflege erklären. Warum soll jemand in Zeiten von Hartz IV für verhältnismäßig wenig Geld Nachtschichten schieben, seinen Rücken ruinieren und nervigen alten Leuten die Windeln wechseln, wenn er in anderen Berufen (zum Beispiel als Erzieher) weit bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Entlohnung vorfindet? Kein Wunder also, wenn es unter diesen Umständen schwierig ist, genügend gute Pfleger zu finden. Durch die Zuwanderung wird die überfällige Lohnanpassung leider unterbunden, weil Ausländer oft genügsamer sind und weit schlechtere Entlohnungen gewohnt sind. Würde es keine Zuwanderer geben, wären die Tariflöhne für Altenpfleger wesentlich höher (wegen der unangenehmeren Arbeitsbedingungen über dem Niveau der Erzieher).
Es geht also nichts daran vorbei: Wenn es in irgendeinem Bereich tatsächlich einen Fachkräftemangel gibt, so stimmt die Entlohnung nicht. Die Attraktivität eines Berufes wird letztlich bestimmt über die Höhe des Gehaltes. Es wäre mehr als ignorant zu glauben, dass besonders anstrengende und unangenehme Tätigkeiten in Zeiten von Hartz IV nicht auch entsprechend honoriert werden müssten.

Zur Verdeutlichung ein Beispiel aus den Wirtschaftswunderjahren
Ein Bekannter von mir (er hatte gerade ausgelernt) suchte 1967 eine Stellung als Buchdrucker. Auf eine vierzeilige Fließsatzanzeige in einer kleinen Fachzeitung erhielt er 64 Stellenangebote. Die Firmen überboten sich gegenseitig mit Sonderleistungen: Eine Zahlung 20 % über Tarif war fast schon Standard, hinzu kamen oft noch die Bereitstellung einer günstigen, firmeneigenen Neubauwohnung (es herrschte damals eine akute Wohnungsnot), täglich ein kostenloses Kantinenessen, die Übernahme der Umzugskosten, evtl. die Nutzung des Firmenwagens usw..
Damals gab es in vielen Berufen einen echten Arbeitskräftemangel, der dann zu starken übertariflichen Leistungen führte. Die guten Beschäftigungs- und Verdienstmöglichkeiten in den Mangelberufen sorgten allmählich ganz automatisch für einen Anstieg der Lehrlingszahlen. In einem intakten Binnenmarkt reguliert sich eben alles ganz von selbst.

Durch gezielte Maßnahmen ließe sich sogar eine Vollbeschäftigung vortäuschen.
Die Arbeitslosenquote ist vermutlich der wichtigste Gradmesser, um den Erfolg der Regierungsarbeit zu belegen. Solange man sinkende Zahlen vermelden kann, erscheinen die konzernfreundlichen Propagandaparolen ("Deutschland profitiert von ... der EU, dem Euro, der Globalisierung, den offenen Grenzen, der Zuwanderung") als glaubhaft.
Dabei lässt sich durch gezielte Manipulationen nahezu jedes Traumergebnis erreichen: Sollte sich die Lage verschlechtern, braucht man nur die ABM-Angebote aufstocken, Erwerbslose zu Bildungsmaßnahmen verpflichten (das hilft gleich doppelt - die Erwerbslosen verschwinden aus der Statistik und es werden zusätzliche Lehrer, Dolmetscher und Ausbilder benötigt), das Rentenalter herabsetzen, statt über 58-Jährige auch schon über 56-Jährige aus der Arbeitslosenstatistik verbannen usw..

Weniger Arbeitslose, aber mehr Hartz-IV-Bezieher
Auch für den April 2017 wurde für Flensburg (wie allgemein im Bundesgebiet) wieder ein Rückgang der Arbeitslosenzahlen gefeiert. Ende April gab es im Flensburger Amtsbereich 4533 Arbeitslose (3 weniger als im Vormonat). Die Zahl der Regelleistungsbezieher stieg aber im gleichen Zeitraum um 669 auf 11.069.
Was für eine Diskrepanz! Statt der Arbeitslosenzahlen sollte, falls man es einigermaßen ehrlich meint, lieber allmonatlich die Zahl der Regelleistungsbezieher bekanntgegeben werden. Das wäre viel aussagekräftiger.

40 % der über 50jährigen haben keinen Job!
In Deutschland haben nur 60 % der über 50jährigen einen Job (was immer sich darunter auch verbirgt). Wer erwerbslos und über 50 Jahre alt ist hat ohne Vitamin B kaum eine Chance, noch eine seriös bezahlte Arbeit zu erhaschen. Nicht einmal eine Halbtagsstelle oder einen Aushilfsjob! Ein echter Fachkräftemangel sieht anders aus!

Der obige Text wurde auch ins Englische übersetzt: Germany: The brazen proclamation of skills shortage!

 

Weiterführende Texte:
Profitiert Deutschland von der Zuwanderung?
Die Überstrapazierung der Menschenrechte...
Trügerischer Wirtschaftsboom: Wann zerfällt das Kartenhaus aus Billiggeldschwemme, Nullzinspolitik und Währungsdumping?
Wie Demagogen die Öffentlichkeit manipulieren...

 

Home (Eingangsseite www.anti-globalisierung.de)
Impressum
© Manfred Julius Müller, Flensburg

Was darf man in einem freien Land noch sagen und denken?
Darf man zum Beispiel den Nutzen des Zollfreihandels, der EU, des Euro usw. anzweifeln? Ist man gleich ein Rassist oder Rechter wenn man meint, Deutschland könne nicht das Sozialamt der Welt sein und könne auch nicht Millionen von Flüchtlingen aufnehmen? Waren die Gegner der Massenzuwanderung im Herbst 2015 tatsächlich alle Menschenverachter und Ewiggestrige?

Und ist heute nur der ein braver Bürger, der die Parolen des Establishments brav nachbetet, der mitjubelt beim steten "Noch nie ging es uns so gut wie heute!"? Werden in Deutschland nur die Menschen geachtet, die sich Sand in die Augen streuen lassen, die daran glauben, unser Wohlstand hinge vom Export ab? Und die im Gleichklang mit der Kapitallobby einen Zollschutz verdammen, den wirklich toxischen Protektionismus aber scheinheilig dulden? Werden in unserem freien Land nur diejenigen akzeptiert, die sich nicht daran stören, dass in den letzten 40 Jahren die Reallöhne und Renten sanken, die Zahl der offiziellen Arbeitslosen sich vervielfachte und prekäre Beschäftigungsverhältnisse sich lawinenartig ausbreiteten?

Mit dem Kontrabuch gibt es jetzt eine Streitschrift, die die gefährlichen Lebenslügen unserer Zeit bloßlegt. Und die frische Ideen und Konzepte zur Bewältigung der aufgestauten Probleme zur Diskussion stellt.

NEUERSCHEINUNG 2019
Kapitalismus, Zollfreihandel, Globalisierung:
DAS KONTRABUCH
Wie funktioniert die grenzenlose Ausbeutung?
Und was müssten unbestechliche Politiker dagegen tun?

Die volkswirtschaftliche Entwicklung ist oft paradox: Da eröffnen uns die genialen technologischen und wissenschaftlichen Fortschritte ungeahnte Möglichkeiten, aber dennoch wird der allgemeine Überlebenskampf in vielen modernen Staaten immer härter und die Existenzängste nehmen dramatisch zu.
Diese Widersprüche seit 40 Jahren achselzuckend zu akzeptieren scheint mir nicht länger hinnehmbar. Denn es sind ja keine Gesetzmäßigkeiten und keine Naturkatastrophen, die den schleichenden Niedergang erzwingen. Es ist vielmehr das perfide System der Ignoranz, Sinnestäuschung und Verlogenheit, das global greift, die Pfründe der Privilegierten schützt und die kapitalistische Welt zu einem spekulativen Tollhaus macht
.
Manfred Julius Müller, 100 Seiten, Format 17x22 cm, 8,90 Euro
Weitere Infos zum Buch. Bestellung zum Beispiel über www.amazon.de oder auch über den stationären Buchhandel.